Gedanken und Fakten zur Euro-Schuldenkrise


Eines der Hauptprobleme im Zusammenhang mit der Euroschuldenkrise ist, dass die Länder Griechenland, Portugal, Spanien, sowie Italien, die falsche Währung zu ihrer Leistungsfähigkeit besitzen. Unter Leistungsfähigkeit ist die Produktivität gemeint. Das bedeutet zum Beispiel, dass durch nicht optimierte Vorgänge, die Lohnkosten am Produkt zu hoch sind und damit die ganze Herstellung unproduktiv machen. Oder anders ausgedrückt es fehlt an Wettbewerbsfähigkeit. Es gibt andere Länder die die gleiche Ware deutlich billiger und effizienter herstellen können. Eine schwache Währung könnte dieses Ungleichgewicht ausgleichen.

Diese Länder müssen seit der Euroeinführung jedoch mit einer zu starken Währung arbeiten, was sie im Prinzip gar nicht können. Das hält sie ständig im abseits bzw. sie hängen den Konkurrenten hinterher.

Die zunehmende Verschuldung wurde daraufhin teilweise durch den zu starken Euro zwanghaft herbeigeführt. Die Haushaltsdefizite aufgrund der schwachen Wirtschaft mussten durch immer neue Krediten ausgeglichen werden. Die Länder importieren einfach jedes Jahr deutlich mehr als sie exportieren. Das führt dauerhaft zu einem deutlichen Anstieg der Verschuldung. Normalerweise wird ein solcher Misszustand durch die Abwertung der eigenen Währung korrigiert, was aber durch die Zwangsjacke Euro nicht möglich war und bis heute nicht möglich ist.

Weltweit verschaffen sich Länder Wettbewerbsvorteile mit einer Abwertung der Währung. Die chinesische Regierung zum Beispiel hält die eigene Währung niedrig und koppelt diese künstlich an den US-Dollar mit der Folge, dass dadurch der Export in China boomt. Seit langem wird von den Konkurrenten Chinas die Freigabe der Währung gefordert, damit diese aufwertet und den fairen Marktwert erreicht, also ihrem Leistungsniveau entspricht.

Auch Deutschland ist nicht ohne Grund Exportweltmeister. In Verbindung mit der Eurozone, ist der Euro für die deutsche Leistungsfähigkeit etwas zu billig. Für die griechische Leistungsfähigkeit hingegen ist der Euro zu teuer. Würde Griechenland heute zur alten Währung der Drachme zurückkehren, würde diese etwa 50% gegenüber dem Euro abwerten, das bedeutet im Gegenzug, dass der aktuelle Eurokurs für die Griechen 100% zu hoch ist. Der Euro ist also für die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu niedrig, was sich günstig auf die Exporte auswirkt. Jedoch gibt es auch wie immer eine Kehrseite: Die deutschen Arbeitnehmer werden für ihre starke Leistung mit einer zu schwachen Währung bezahlt, dadurch sinkt die Binnennachfrage. Zu viel der verdienten Euros müssen für importierte Ware wie Öl und Benzin sowie Elektroartikel ausgegeben werden. Das Geld der deutschen Bürger auf ihren Konten ist also weniger Wert, besitzt weniger Kaufkraft, aufgrund der zu schwachen Währung. Ein höherer EUR-USD Wechselkurs hingegen, würde die Kaufkraft der deutschen Bürger und damit den Konsum stärken, wäre jedoch ein Nachteil für den Export. Diese Entwicklung merkt der Deutsche zum Beispiel auch, wenn er im Ausland Urlaub macht. In Schwellenländern wie zum Beispiel Brasilien konnte er zu D-Mark Zeiten recht billig Urlaub machen. Heute können die Brasilianer bedingt durch den Rohstoffboom und die Aufwertung der eigenen Währung, billig Urlaub in Europa machen. Der deutsche Bürger hingegen, kann mit einem Durchschnittslohn in diesen Länder nicht mehr viel bewegen.

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